Wer war Otto Sprenger?
Otto Sprenger wurde 1917 in Hamburg geboren und wuchs in Harburg bei seiner alleinerziehenden Mutter Dorothea auf. Trotz knapper finanzieller Mittel setzte seine Mutter alles daran, ihrem Sohn eine gute Schulbildung zu ermöglichen.
Nach einer kaufmännischen Lehre folgten Arbeitsdienst, Wehrmacht und Krieg. Im besetzten Paris holte Sprenger in Abendkursen am Petit Palais sein Abitur nach. Nach seiner Entlassung aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft studierte er in Hamburg Philosophie, Psychologie, Pädagogik und Politologie. Möglich wurde das auch durch die Unterstützung seiner Mutter und seiner Frau Martha.
Schon während des Studiums beschäftigte Sprenger die gesellschaftliche Bedeutung der Medien. Seine geplante Doktorarbeit trug den Titel „Probleme des politischen Rundfunks“. Noch bevor er sie abschließen konnte, holte ihn der Nordwestdeutsche Rundfunk als Meinungsforscher. Der Rundfunk wurde für mehr als drei Jahrzehnte seine berufliche Heimat. Beim späteren NDR übernahm Sprenger unterschiedliche Aufgaben und leitete schließlich das Ressort „TV-Archive und Fundus“. Auch international brachte er seine Erfahrung ein: Er gehörte zu den Gründern der Internationalen Vereinigung der Fernseharchive und wurde ihr erster Präsident.
Mindestens ebenso wichtig wie sein Beruf war Sprenger sein gesellschaftliches Engagement. Über Jahrzehnte setzte er sich neben seiner Tätigkeit beim NDR für die Menschen ein, die in Medien und Kultur arbeiteten. Als Gewerkschafter wirkte er an Tarifregelungen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit und war entscheidend an der Gründung der Künstlersozialkasse beteiligt. Auch als ehrenamtlicher Sozial- und Arbeitsrichter stellte Sprenger seine Erfahrung über viele Jahre in den Dienst anderer.
Weggefährten beschrieben Otto Sprenger als bodenständigen Hamburger, der trotz seiner zahlreichen Ämter und internationalen Aufgaben seine Herkunft nicht vergaß. Bekannt war auch seine Sparsamkeit. Lange, so erinnerte sich später einer seiner Weggefährten, habe niemand recht gewusst, wofür Sprenger eigentlich sparte.
1986 gab er darauf eine Antwort: Mit seinem Vermögen gründete er die Otto Sprenger Stiftung. 1999 folgte eine zweite Stiftung. Er benannte sie nach den beiden Frauen, die seinen eigenen Bildungsweg entscheidend begleitet hatten – seiner Mutter Dorothea und seiner Frau Martha.
Otto Sprenger starb am 9. Februar 2006 in Hamburg.

